Der Vermögensplaner als Investmentcoach (6)
Anleger bestärken, auch in schwierigen Marktphasen diszipliniert zu rebalancen
Üblicherweise sollten Sie mit Ihrem Planer ausführlich über Risiko gesprochen haben. Wie viel Schwankung Sie aushalten, wie viel Sie brauchen, um Ihre Ziele zu erreichen, und wie viel zu verlieren Sie sich überhaupt leisten können, ohne dass der Plan kippt. Das war keine Fleißaufgabe. Das war die wichtigste Entscheidung im ganzen Prozess.
Und genau deshalb bleibt die einmal festgelegte Risikoquote auch eine feste Größe. Es sei denn, bei Ihnen ändert sich wirklich was Grundsätzliches in der Planung. Dann ist das ein Thema für den nächsten Planungstermin. Aber nicht, weil der Markt gerade Kopf steht.
Warum Ihr Depot von allein unruhiger wird
Aktien bringen auf lange Sicht mehr, schwanken dafür aber auch heftiger. Anleihen sind der ruhige Gegenpart. Wenn Sie beides mischen und einfach laufen lassen, verschiebt sich das Verhältnis mit der Zeit, und zwar in Richtung mehr Schwankung. Ein Depot, das vor zehn Jahren bei 60 Prozent Aktien und 40 Prozent kurzlaufenden Anleihen gestartet ist, steht heute bei über 80 Prozent Aktien. Einfach, weil Aktien besser gelaufen sind.
Klingt erstmal nach keinem schlimmen Problem. Ist aber eines. Sie sind plötzlich in einem deutlich risikoreicheren Depot unterwegs, als Sie eigentlich besprochen hatten, ohne eine einzige Entscheidung getroffen zu haben. Das Depot ist Ihnen einfach weggelaufen.
Dagegen gibt es ein Mittel, das so unspektakulär wie wirksam ist: Rebalancing. Man schichtet zurück auf die ursprüngliche Quote. Verkauft ein bisschen von dem, was gut gelaufen ist, kauft das Langweilige nach. Fertig.
Warum Rebalancing schwer fällt
Rein sachlich ist die Sache klar. Psychologisch ist sie eine Zumutung.
Wenn die Aktienmärkte gerade Party feiern und dem Portfolio herrliche Wertentwicklung bescheren, soll man einen Teil davon verkaufen, um die öden Anleihen nachzukaufen, die die Rendite die letzten Jahre ausgebremst haben. Fühlt sich falsch an. Ist aber richtig.
Und andersrum ist es noch unangenehmer. In der Finanzkrise 2008 ist die Aktienquote eines 60/40-Depots unter 50 Prozent gerutscht. Genau in dem Moment, wo einem der Bauch sagt: bloß raus aus Aktien, hätte ein guter Planer das Gegenteil gemacht. Anleihen verkauft, Aktien nachgekauft. Mitten in der Krise, gegen jedes Bauchgefühl.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Anleger ihr Geld verlieren. Nicht am Markt, an sich selbst. Wer in der Panik aussteigt oder in der Euphorie nicht rebalanciert, produziert genau die Verluste, die eigentlich vermeidbar gewesen wären.
Was Rebalancing ist und was nicht
Rebalancing ist kein Renditetrick. Manchmal sorgt es für eine etwas bessere Rendite, manchmal nicht, das ist Zufall. Der eigentliche Job von Rebalancing ist ein anderer: Es hält das Risiko dort, wo es hingehört, wo es laut Planung und Risikoprofil des Anlegers zu sein hat. David Swensen, der über Jahrzehnte das Stiftungsvermögen von Yale gemanagt hat, hat das mal so zusammengefasst: Bei konsequentem Rebalancing geht es nicht um mehr Rendite, sondern darum, das Risiko im Zaum zu halten und dafür braucht man vor allem Nervenstärke und einen langen Atem.
Deshalb macht ein guter Planer Rebalancing nicht nach Gefühl, sondern nach System. Feste Zeitpunkte, oder ein Auslöser, wenn sich die Gewichtung zu weit verschoben hat. Das nimmt die Emotion aus der Sache raus, weil niemand mehr entscheiden muss, ob "jetzt" ein guter Moment ist. Das wurde schon geregelt, als das Depot aufgesetzt wurde.
Was beim Anleger bleibt
Die Aufgabe für den Anleger ist überschaubar: nicht dazwischenfunken, wenn es mal ungemütlich wird. Der Rest, die Rechnerei, die Trades, das Timing, sind Aufgabe des Planers und Verwalters. Der gute Anleger lässt den das machen.
Wenn Sie das Gefühl haben, Sie möchten da lieber selbst ein Auge draufhaben, kein Problem, dann sprechen wir darüber, wie genau das für Sie aussehen könnte. Aber die Erfahrung zeigt: Der teuerste Fehler passiert meist dann, wenn man selbst ans Steuer will, obwohl man es dem Autopiloten überlassen sollte.
Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um Ihre individuellen Gedanken zu besprechen.
Bleiben Sie optimistisch – und immer investiert!
(Beim Investieren ist Ihr Kapital Verlustrisiken ausgesetzt.)
Christian Dagg
Der größte Feind des Anlegers ist häufig der Anleger selbst. Ein unabhängiger Berater bringt den größten Nutzen, wenn er sich zwischen den Anleger und dessen schlimmste Fehlentscheidung stellen kann. Meine Beiträge sollen wie ein Filter für vernünftige Finanzentscheidungen wirken. Ich möchte belastbare Fakten und gesunden Menschenverstand im Zusammenhang mit Finanzthemen in den Vordergrund stellen und versuchen, dies so zu erklären, dass es jeder für sich einordnen kann.
Für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.
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