Der Vermögensplaner als Investmentcoach (5)
Halt geben, wenn es darauf ankommt
Ein Portfolio zu bauen ist, wenn man das Handwerkszeug beherrscht, der einfache Teil. Die richtigen Bausteine finden, vernünftig gewichten, Kosten niedrig halten, das ist Fleißarbeit, keine Kunst. Der schwierige Teil kommt danach: durchhalten. Bei Sturm am Ruder bleiben, wenn
der Bauch längst schreit, man solle das Steuer rumreißen.
Ein guter Berater nimmt sich am Anfang die Zeit, mit Ihnen durchzugehen, was Sie emotional und finanziell aushalten. Das geschieht in einem echten Gespräch darüber, was passiert, wenn's mal richtig wehtut. Kein Formular zum Abhaken. Und er erklärt, warum jeder Baustein im Portfolio da ist, wo er ist. Das ist die Vorarbeit. Die eigentliche Prüfung kommt erst, wenn die Märkte sich dann kräftig bewegen, in die eine oder andere Richtung, wie sie das nun mal von Zeit zu Zeit tun.
Dann kommen Gier und Angst ins Spiel. Das ist menschlich und hat nichts mit guter oder schlechter Anleger sein zu tun. Wir sind fürs Investieren schlicht nicht geboren.
Verluste tun uns nachweislich doppelt so weh wie Gewinne uns freuen [1]. Genau deshalb sind wir in fallenden Märkten am verletzlichsten. Genau da muss der Berater als Gegengewicht wirken. Nicht trösten, sondern erinnern, dass das Portfolio aus einem bestimmten Grund so gebaut ist, wie es gebaut ist. Bauchentscheidungen mitten im Sturm sind fast nie eine gute Idee.
Das lässt sich sogar zahlenmäßig belegen. Es gibt einen messbaren Unterschied zwischen der Rendite, die ein Fonds erzielt, und der Rendite, die die Anleger in diesem Fonds tatsächlich einfahren. Klingt komisch, ist aber simpel erklärt: Es liegt am Timing. Wann die Leute rein- und rausgehen.
Anleger sind im Schnitt schlecht darin, den richtigen Moment zu erwischen. Sie kaufen, wenn's schon gelaufen ist, und verkaufen, wenn's am wehesten tut und verschenken damit Rendite, die eigentlich auf dem Tisch gelegen hätte. Die Branche nennt das die „Behaviour Gap". Ich nenne es: Geduld und Disziplin sind seltener, als man denkt. Nochmal: Das ist keine Kritik, sondern das ist die Beobachtung menschlicher Eigenschaften.
Diese Verhaltenslücke beim erzielten Ergebnis liegt meist irgendwo zwischen ein und zwei Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Das ist ungefähr das, was ein Berater als laufende Gebühr verlangt, wenn seine Leistung auch echte Finanzplanung und regelmäßiges Nachjustieren der Ziele beinhaltet, nicht nur Verwaltung. Rechnet man das durch, wird schnell klar, wo der Wert einer ruhigen Hand liegt, wenn's ruppig wird.
Ich möchte das nicht als Wundermittel darstellen, ich möchte nur sagen: Wenn Sie wissen, dass Sie bei fallenden Kursen nervös werden und zum falschen Zeitpunkt handeln, ist das kein Charakterfehler, sondern Prospect Theory life, seit 1979 beschrieben und tausendfach bestätigt. Die entscheidende Frage ist, ob Sie das allein im Griff haben oder ob Ihnen jemand zur Seite steht, der in solchen Momenten das kühle Gegengewicht liefert. Es gibt genug Menschen, die machen das selbst – wer Spaß daran hat, für den wird es oft auch funktionieren. Wenn Sie hingegen merken, dass Ihnen in solchen Phasen der Euphorie oder der Panik an den Märkten der Boden unter den Füßen wegrutscht, dann lassen Sie uns reden. Am besten in Ruhe, bevor der Sturm kommt und nicht mittendrin.
Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um Ihre individuellen Gedanken zu besprechen.
Bleiben Sie optimistisch – und immer investiert!
(Beim Investieren ist Ihr Kapital Verlustrisiken ausgesetzt.)
[1] Begründet als „Prospect Theory" von Kahneman, D., Tversky, A. (1979). „Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk"
Christian Dagg
Der größte Feind des Anlegers ist häufig der Anleger selbst. Ein unabhängiger Berater bringt den größten Nutzen, wenn er sich zwischen den Anleger und dessen schlimmste Fehlentscheidung stellen kann. Meine Beiträge sollen wie ein Filter für vernünftige Finanzentscheidungen wirken. Ich möchte belastbare Fakten und gesunden Menschenverstand im Zusammenhang mit Finanzthemen in den Vordergrund stellen und versuchen, dies so zu erklären, dass es jeder für sich einordnen kann.
Für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.
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