Der Vermögensplaner als Investmentcoach (7)
Der Kleinkram, den man gerne vergisst
Zum Abschluss der Reihe noch ein Bereich, über den kaum jemand gerne spricht: die Fleißarbeit. Freistellungsaufträge, Fristen, Abbuchungen, Bescheinigungen. Das ist nichts, womit man auf Partys glänzt. Aber es kostet Geld, wenn es keiner macht. Und weil das niemand gerne stupide und regelmäßig selbst erledigt, kann es auch ein anderer tun.
Der Wert der Arbeiten des Vermögensplaners in Summe
Die erste Weichenstellung ist die Philosophie: evidenzbasiert investieren, ein robustes Portfolio, das in jedem Wetter taugt. Das ist das Fundament. Aber der Wert eines guten Vermögensplaners hört da nicht auf.
Vanguard hat das untersucht. Die verwalten weltweit über 10 Billionen Dollar und wurden von John Bogle gegründet, dem Mann, der den Indexfonds populär gemacht hat. Ergebnis: Ein guter Planer bringt im Schnitt rund 3 Prozent pro Jahr. Über 20 oder 30 Jahre ist das der Unterschied zwischen „ganz okay” und „da hätte ich mir ein Haus kaufen können”.
Interessant ist, woher die 3 Prozent kommen. Das Bild unten zeigt es: Das Portfolio selbst macht nur einen Teil aus. Der größte Brocken ist Verhaltenscoaching, also jemand, der Sie davon abhält, im falschen Moment das Falsche zu tun. Dazu kommen Fondsauswahl, Rebalancing, die Entnahmestrategie im Ruhestand und die Frage, welche Anlage wohin gehört. Selbst das Langweilige trägt messbar bei.
Quelle: Vanguard Advisory Research Centre (Juni 2025), „Putting a value on your value: Quantifying Vanguard Adviser’s Alpha in the UK”. Dargestellt sind jeweils die Mittelwerte der Spannen aus der Studie, bis auf Rebalancing, wo der exakt genannte Wert von 0,12 % dargestellt ist. Für das Portfolio ist unterstellt, dass ein Portfolio mit 60 % Aktien den breiten Markt langfristig um 0,6 % p. a. übertrifft. Das ist für ein systematisches Portfolio mit gezielten Risikofaktor-Tilts nicht unrealistisch, aber nicht garantiert. Nur zu Illustrationszwecken.
Was da konkret anfällt
Steuerlich ist in Deutschland vieles Handwerk, keine Zauberei. Ein paar Beispiele, die bei uns im Alltag liegen:
Vorabpauschale. Bei thesaurierenden Fonds will das Finanzamt Steuern auf Erträge, die Sie nie auf dem Konto gesehen haben. Die Bank bucht sie Anfang Januar automatisch ab. Bei einem Aktien-ETF-Depot mit 100.000 Euro sind das in einem guten Jahr gut 400 Euro. Ist das Konto leer, gibt es Ärger, im schlechten Fall werden Anteile verkauft. Also: vorher schätzen, Liquidität einplanen, ohne dass zu Geld nicht investiert bleibt.
Freistellungsaufträge. 1.000 Euro pro Person, 2.000 bei Zusammenveranlagung. Wer mehrere Depots und Konten hat, muss das jedes Jahr nachziehen. Sonst ist der Betrag an der falschen Stelle verbraucht und an der richtigen fehlt er.
Verlusttöpfe beim Depotwechsel. Wer umzieht und den Verlusttopf nicht aktiv mitnehmen lässt, fängt bei null an. Das passiert öfter, als man denkt.
Rebalancing mit neuem Geld. Neue Einzahlungen und Dividenden lenken wir dahin, wo das Portfolio untergewichtet ist. Verkaufen müssen wir dann nur noch, wenn es wirklich nicht anders geht. Das spart Steuern und Gebühren.
Bescheinigungen. Steuerbescheinigungen einsammeln, prüfen und für den Steuerberater so aufbereiten, dass er nicht suchen muss.
Nichts davon ist schwer. Aber es muss jedes Jahr jemand tun, und zwar genau und rechtzeitig.
Was Rebalancing ist und was nicht
Rebalancing ist kein Renditetrick. Manchmal sorgt es für eine etwas bessere Rendite, manchmal nicht, das ist Zufall. Der eigentliche Job von Rebalancing ist ein anderer: Es hält das Risiko dort, wo es hingehört, wo es laut Planung und Risikoprofil des Anlegers zu sein hat. David Swensen, der über Jahrzehnte das Stiftungsvermögen von Yale gemanagt hat, hat das mal so zusammengefasst: Bei konsequentem Rebalancing geht es nicht um mehr Rendite, sondern darum, das Risiko im Zaum zu halten und dafür braucht man vor allem Nervenstärke und einen langen Atem.
Deshalb macht ein guter Planer Rebalancing nicht nach Gefühl, sondern nach System. Feste Zeitpunkte, oder ein Auslöser, wenn sich die Gewichtung zu weit verschoben hat. Das nimmt die Emotion aus der Sache raus, weil niemand mehr entscheiden muss, ob "jetzt" ein guter Moment ist. Das wurde schon geregelt, als das Depot aufgesetzt wurde.
Und wenn Sie es allein machen?
Dann können Sie das, kein Problem. Es gibt Leute, die das möchten. Aber die Erfahrung zeigt, dass es in der Regel schlechter läuft, und zwar aus ganz menschlichen Gründen: Es kommen bessere Fonds auf den Markt, und Sie kriegen es nicht mit. Jede neue Anlageidee wirkt erst mal verlockend, ob sie funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Und wenn die Märkte crashen, ist die Versuchung riesig auszusteigen. Rebalancieren, also gerade dann nachkaufen, wenn alle anderen Panik schieben, macht kaum einer. Es ist sachlich richtig und emotional ganz schön schwer.
Investieren wird nie einfach. Aber es wird einfacher, wenn jemand danebensteht, der die Regeln kennt, die Fleißarbeit erledigt und Sie im richtigen Moment bremst.
Wenn Sie sagen, Sie kriegen das alles alleine hin: Dann machen Sie das. Ich will niemanden von seinem Glück abbringen. Wenn Ihnen Zeit, Lust oder die Nerven im Crash fehlen, wissen Sie, wo Sie uns finden. Das kann alles in Ruhe organisiert werden.
Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um Ihre individuellen Gedanken zu besprechen.
Bleiben Sie optimistisch – und immer investiert!
(Beim Investieren ist Ihr Kapital Verlustrisiken ausgesetzt.)
Christian Dagg
Der größte Feind des Anlegers ist häufig der Anleger selbst. Ein unabhängiger Berater bringt den größten Nutzen, wenn er sich zwischen den Anleger und dessen schlimmste Fehlentscheidung stellen kann. Meine Beiträge sollen wie ein Filter für vernünftige Finanzentscheidungen wirken. Ich möchte belastbare Fakten und gesunden Menschenverstand im Zusammenhang mit Finanzthemen in den Vordergrund stellen und versuchen, dies so zu erklären, dass es jeder für sich einordnen kann.
Für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.
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