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der DAGG.INVEST Vermögensverwaltung

Ruhestandsplanung und die deutsche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist für viele Menschen der hauptsächliche Absicherungsbaustein des Ruhestands. Das System klingt einfach und genial. Wer will schon bis ans Ende seiner Tage arbeiten? Im Ruhestand hat man endlich Zeit, die Dinge nachzuholen, die man in den vorherigen Lebensabschnitten verpasst hat. Der folgende Artikel beschäftigt sich damit, wie die Deutsche Rentenversicherung funktioniert, welche Schwächen sie hat und warum eine frühzeitige Planung sinnvoll ist, um im Ruhestand beides zu haben: Zeit und Geld.

Wie funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung?

Die GRV basiert auf dem sogenannten Umlageverfahren. D.h. die aktuell arbeitende Generation finanziert mit ihren Beiträgen die Renten der heutigen Rentner.
Gleichzeitig werden die eigenen Ansprüche für die Zukunft aufgebaut. Die Rentenversicherung speichert dabei Ihre erworbenen Ansprüche in Form von Entgeltpunkten, die später die Grundlage Ihrer monatlichen Rente bilden.

Wie hoch ist meine Rente?

Die Höhe Ihrer späteren Rente hängt von mehreren Faktoren ab:

1. Entgeltpunkte

Entgeltpunkte erhalten Sie durch Ihre Beitragszahlungen. Ein Punkt entspricht dabei einem Einkommen in Höhe des Durchschnitts aller Versicherten (aktuell 50.493 € jährlich).

  • Verdienen Sie genau den Durchschnitt → 1 Punkt pro Jahr
  • Verdienen Sie mehr → entsprechend mehr Punkte
  • Verdienen Sie weniger → entsprechend weniger Punkte

Ein Entgeltpunkt entspricht derzeit etwa 40,79 € monatlicher Rente (Stand 2025). Dieser Wert wird regelmäßig angepasst und orientiert sich an der Lohnentwicklung.

 

2. Zugangsfaktor

Der Zugangsfaktor berücksichtigt den Zeitpunkt Ihres Renteneintritts. Als Referenz gilt die Regelaltersgrenze (umgangssprachlich auch als Renteneintrittsalter bezeichnet). Für die meisten Versicherten liegt sie bei 67 Jahren:

  • Früherer Renteneintritt: −0,3 % pro Monat
  • Späterer Renteneintritt: +0,5 % pro Monat

Diese Zu- oder Abschläge gelten für den kompletten Ruhestand.

 

3. Rentenartfaktor

Je nach Rentenart (z. B. Altersrente oder Erwerbsminderungsrente) wird ein unterschiedlicher Faktor angewendet, der die Rentenhöhe beeinflusst.

 

4. Aktueller Rentenwert

Der aktuelle Rentenwert bestimmt, wie viel ein Entgeltpunkt in Euro wert ist. Er wird in der Regel jährlich angepasst.

Wichtig:

  • Die Anpassung folgt der Lohnentwicklung
  • In wirtschaftlich schwächeren Jahren kann es auch zu Nullrunden kommen.
  • Gesetzlich sind Rentenkürzungen derzeit ausgeschlossen

Wenn wir also davon ausgehen, dass die aktuellen Bedingungen gleichbleiben, erkennen wir, dass man als Versicherter die Rentenhöhe positiv beeinflussen kann, indem man kontinuierlich sein Gehalt steigert, den Ruhestand nach hinten verschiebt und gesundheitliche Einschränkungen vermieden werden können. Dies ist teilweise einfacher gesagt als getan. Die übrigen Einflussfaktoren auf die Rentenhöhe unterliegen den Bestimmungen des Gesetzgebers.

Die Renteninformation verstehen

Ab dem 27. Lebensjahr erhalten Sie jährlich eine Rentenmitteilung, sofern Sie mindestens 5 Jahre Beiträge gezahlt haben:

 

Wie liest und interpretiert man diese Mitteilung?

1. Hieraus lässt sich die aktuelle Anwartschaft ablesen. Würden Sie ab sofort aufhören, Beiträge zu zahlen, zur Regelaltersgrenze in Altersrente gehen und würde es keine Rentenerhöhungen mehr geben, wäre das Ihre monatliche Bruttorente

2. Hierbei handelt es sich um eine Hochrechnung Ihrer Bruttorente, wenn Sie die Beiträge der letzten 5 Jahre bis zur Regelaltersgrenze weiterzahlen, ohne dass bis dahin weitere Rentenerhöhungen stattfinden. Achtung: Die Höhe beruht auf der Annahme, dass das Durchschnittseinkommen aller Versicherten zukünftig gleich bleibt. In der Realität wird es jedoch fast in jedem Jahr Lohnerhöhungen geben. Wenn Sie Ihr Gehalt nicht mit der durchschnittlichen Lohnentwicklung steigern können, könnte Ihre Rente niedriger als auf der Mitteilung ausfallen. Darunter im Abschnitt „Rentenanpassung“ finden Sie eine Hochrechnung Ihrer Bruttorente, unter einer jährlichen 1-2 % - Erhöhung der Rente.

3. Sind Sie erwerbsunfähig, erhalten Sie diese Rentenzahlung zur Sicherung Ihres Lebensstandards. Die EU-Rente wird ausgezahlt, sofern Sie aus gesundheitlichen Gründen weniger als 3 Stunden pro Tag arbeiten können. Sie müssen mindestens 5 Jahre rentenversichert sein und in den letzten 5 Jahren mindestens 3 Jahre Beiträge gezahlt haben, um die EU-Rente zu erhalten. Die Höhe weicht von der Altersrente ab, da es sich um eine andere Rentenart handelt, die anders berechnet wird (siehe Erklärung zu Rentenartfaktor).

4. Dieses Datum wird als Regelaltersgrenze (umgangssprachlich auch als Renteneintrittsalter) bezeichnet. Es wird politisch bestimmt. Es beträgt für die meisten Versicherten 67 Jahre. Zu diesem Zeitpunkt ist ein abzugsfreier Renteneintritt möglich. Für ältere Jahrgänge und für besonders langjährig Versicherte ist auch ein früherer Renteneintritt möglich. Wichtig ist, dass auf der Mitteilung der Rentenversicherung immer das 67. Lebensjahr ausgewiesen und die Regelaltersgrenze nicht individuell angepasst wird, auch wenn Sie für einen früheren abzugsfreien Renteneintritt in Frage kämen.

Wann kann ich in Rente gehen?

Die Regelaltersgrenze liegt für die meisten Versicherten bei 67 Jahren. Ab diesem Alter ist ein Renteneintritt ohne Abzüge möglich.

Abweichungen:

  • Ältere Jahrgänge haben niedrigere Altersgrenzen
  • Besonders langjährig Versicherte (45 Jahre) können früher ohne Abschläge in Rente gehen

Ein früherer Renteneintritt ist auch für alle ab 63 möglich, jedoch mit Abschlägen:

  • 0,3 % pro Monat
  • Beispiel: 4 Jahre früher → 14,4 % weniger Rente

Diese Kürzung gilt dauerhaft.

Welche Auswirkungen hat die gesetzliche Rente auf meine eigene Ruhestandsplanung?

Die gesetzliche Rente ist eine wichtige Grundlage der Altersvorsorge. Gleichzeitig ist sie so konzipiert, dass sie in vielen Fällen nicht den gesamten vorherigen Lebensstandard abdeckt.

Ein zentraler Einflussfaktor ist die demografische Entwicklung:

  1. Mehr Rentner stehen weniger Beitragszahlern gegenüber
  2. Dadurch steigt der finanzielle Druck auf das System.

Allerdings wird die Rentenversicherung politisch stabilisiert, unter anderem durch Steuermittel. Ein vollständiger Wegfall ist sicherlich unwahrscheinlich. Veränderungen in Leistungen, Beitragshöhe und Regelaltersgrenze sind jedoch realistisch. Wie es mit der gesetzlichen Rentenversicherung weitergeht, wird die Zeit zeigen. Für Ihre eigene Ruhestandsplanung können Sie wie folgt vorgehen, damit die Planung auf soliden Füßen steht:

  • Konservative Rentenzahlung annehmen

Auch wenn der Rentenwert in den letzten Jahren jährlich gestiegen ist. Nehmen Sie nicht das 2-%-Szenario aus der Rentenmitteilung an, sondern besser das Szenario ohne Erhöhung des Rentenwertes. Denken Sie daran, dass die Szenarien nur dann der Realität entsprechen, wenn Sie es schaffen, Ihr Gehalt langfristig zu steigern und dem durchschnittlichen Anstieg aller Versicherten Schritt zu halten. Vergessen Sie nicht, dass es sich bei den Werten der Rentenmitteilung um Bruttowerte handelt und Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden müssen.

  • Den Renteneintritt nach hinten verschieben

Ihr Job erfüllt Sie so sehr, dass der Gedanke an den Ruhestand Sie eher abschreckt? Dann könnten Sie in Erwägung ziehen, später in Rente zu gehen. Jeden Monat, den Sie länger arbeiten als die Regelaltersgrenze, bringt Ihnen 0,5 % Rentenzuschlag – ein Leben lang. Ob die Möglichkeit besteht, hängt vom Gesundheitszustand, vom Beruf und von Ihren persönlichen Vorzügen ab.

  • Rentenlücke ermitteln

Wie viel Geld benötige ich zum Leben im Ruhestand in späterer Kaufkraft (bei steigenden Kosten im Zeitverlauf) und wie hoch ist der Teil, der durch die gesetzliche Rentenversicherung gedeckt wird?

Rechnen Sie nicht zu optimistisch bei den Kosten.

  • Frühzeitig privat vorsorgen

Die Spatzen pfeifen es bereits seit vielen Jahren von den Dächern. Die gesetzliche Rentenversicherung wird in den meisten Fällen nicht das Leben im Ruhestand allein finanzieren können. Bei der privaten Vorsorge ist Zeit ebenso wichtig wie Geld. Es lohnt sich, früh mit dem Investieren zu beginnen, um vom Zinseszinseffekt profitieren zu können. Das aufgebaute Vermögen schließt dann optimalerweise die Lücke zwischen Lebenshaltungskosten und gesetzlicher Rente.

  • Das Investment an die Rentenansprüche anpassen

Deckt die gesetzliche Rentenversicherung bereits einen Großteil der Ausgaben im Ruhestand (in manchen Szenarien mag das zutreffen), dann hat dies Auswirkungen auf das Investment. Kommt man mit der Rente aus, könnte man überlegen, mehr Schwankungen beim Investment hinzunehmen, für eine höhere erwartete Rendite. Auf der anderen Seite benötigt man die hohe Rendite nicht, da man nicht auf hohe Vermögenszuwächse angewiesen ist, wenn die gesetzliche Rente einem das Leben bezahlt. Die finale Investment-Entscheidung hängt von vielen individuellen Faktoren ab.

Fazit

Die gesetzliche Rentenversicherung bildet eine wichtige Grundlage für die Altersvorsorge in Deutschland. Das Umlagesystem ist stabil organisiert, steht jedoch vor strukturellen Herausforderungen. Für die eigene Ruhestandsplanung sollte die gesetzliche Rente als Basis eingeplant werden. Eine ergänzende Vorsorge erhöht die finanzielle Sicherheit und ist für viele Versicherte nötig, wenn nicht der Lebensstandard merklich sinken soll. Ruhestandsplanung hilft, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen und teure Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Jannick Seidel

Unabhängigkeit, Transparenz und eine fundierte Auseinandersetzung mit den Kapitalmärkten – diese Werte prägen mein berufliches Handeln. Ich bin Junior Wealth Manager aus Überzeugung, weil ich Menschen für den Kapitalmarkt begeistern, Chancen verständlich machen und Vorurteilen begegnen möchte. Mein Ziel ist es, finanzielle Zusammenhänge greifbar zu machen und durch ehrliche Beratung langfristige Sicherheit zu schaffen.

Offenlegung: Alle Beiträge dienen der Werbung. Keiner der Inhalte dieses Internetauftritts stellt eine Anlageberatung, Finanzanalyse oder ein Angebot bzw. eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Vertrags oder Wertpapieres dar.

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