Achtung vor unnötiger Komplexität
Viele Anleger glauben, dass ein gutes Portfolio möglichst viele Fonds enthalten sollte. Je mehr Bausteine enthalten sind, desto besser verteilt scheint das Risiko; so zumindest die intuitive Annahme.
Wenn wir jedoch gemeinsam mit neuen Kunden einen Blick in bestehende Depots werfen, zeigt sich häufig ein anderes Bild: 15, 20 oder sogar mehr Fonds, von denen viele in sehr ähnliche Unternehmen und Anleihen investieren. Manche Positionen tauchen sogar mehrfach im Portfolio auf.
Was auf den ersten Blick nach breiter Diversifikation aussieht, ist in Wirklichkeit oft vor allem eines: unnötige Komplexität. Entscheidend für die Entwicklung eines Portfolios ist nicht die Anzahl der Fonds, sondern die zugrunde liegenden Wertpapiere, in die investiert wird.
Grundsätzlich haben Anleger zwei Möglichkeiten zu investieren: Sie können sich als Eigentümer an Unternehmen weltweit beteiligen (Aktien) oder Unternehmen und Staaten Kapital zur Verfügung stellen (Anleihen). Fonds bündeln diese Wertpapiere und kombinieren sie entsprechend ihrer jeweiligen Anlagestrategie.
Interessanterweise existieren weltweit mehr Aktienfonds als börsennotierte Aktien selbst. Die Investmentbranche ist stark wettbewerbsorientiert und bringt kontinuierlich neue Produkte hervor. Für Anleger entsteht dadurch eine enorme Auswahl und damit auch die Herausforderung, aus dieser Vielzahl sinnvoll auszuwählen. Ein klarer, strukturierter Auswahlprozess ist deshalb ein entscheidender Bestandteil einer langfristig erfolgreichen Anlagestrategie.
Die Aufgabe, in diesem Umfeld Komplexität und Informationsrauschen zu reduzieren, nehmen wir sehr ernst. Unser Anlageausschuss überprüft regelmäßig das gesamte investierbare Universum in einem strukturierten Screening-Prozess. Ziel ist es sicherzustellen, dass die von uns eingesetzten Fonds weiterhin hohen Qualitätsanforderungen entsprechen und ihre jeweilige Rolle im Portfolio zuverlässig erfüllen.
Manche Anleger gehen davon aus, dass mehr Fonds automatisch zu einer besseren Diversifikation führen. In der Praxis kann die Steuerung eines Portfolios mit sehr vielen Fonds jedoch schnell unübersichtlich werden. Entscheidend für Risiko und Ergebnis sind nicht die Fonds selbst, sondern die zugrunde liegenden Aktien und Anleihen. Werden mehrere Fonds kombiniert, kann es daher leicht zu Überschneidungen kommen oder dazu, dass identische Wertpapiere mehrfach im Portfolio enthalten sind.
Ein einfaches Beispiel sind zwei Fonds, die beide den US-Aktienmarkt abbilden. Manche Anleger halten beide gleichzeitig in der Annahme, damit breiter investiert zu sein. Wenn jedoch einer der Fonds objektiv besser zu den eigenen Anforderungen passt, etwa aufgrund geringerer Kosten, einer längeren Historie oder einer präziseren Marktabbildung, stellt sich die Frage, warum nicht dieser Fonds allein eingesetzt wird.
Ein Blick auf die größten Positionen solcher Fonds zeigt häufig, dass sich die enthaltenen Unternehmen nahezu vollständig überschneiden. Eine Aufteilung der Investition auf beide Fonds bringt in diesem Fall kaum zusätzlichen Nutzen für das Portfolio.
Es gibt allerdings Situationen, in denen mehrere Fonds bewusst kombiniert werden können. Ein Beispiel ist eine gezielte Gewichtung bestimmter Unternehmensmerkmale. Anleger können etwa Small-Cap- oder Value-Unternehmen stärker berücksichtigen, indem sie Fonds einsetzen, die diese Eigenschaften gezielt übergewichten.
Entscheidend ist dabei stets die klare Funktion jedes einzelnen Bausteins im Gesamtportfolio. Für ein sinnvoll strukturiertes langfristiges Portfolio ist eine große Anzahl von Fonds nicht erforderlich. Einfachheit bedeutet keineswegs mangelnde Raffinesse. Im Gegenteil: Die sorgfältige Auswahl weniger, klar definierter Bausteine und deren kontinuierliche Überprüfung sind wesentliche Voraussetzungen für eine robuste Anlagestrategie.
Diese Verantwortung übernimmt unser Anlageausschuss im Rahmen des laufenden Überprüfungsprozesses der von uns empfohlenen Anlagelösungen.
Oder anders formuliert: Hüten Sie sich vor Komplexität, die Diversifikation nur vortäuscht.
Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um Ihre individuellen Gedanken zu besprechen.
Bleiben Sie optimistisch – und immer investiert!
Christian Dagg
Der größte Feind des Anlegers ist häufig der Anleger selbst. Ein unabhängiger Berater bringt den größten Nutzen, wenn er sich zwischen den Anleger und dessen schlimmste Fehlentscheidung stellen kann. Meine Beiträge sollen wie ein Filter für vernünftige Finanzentscheidungen wirken. Ich möchte belastbare Fakten und gesunden Menschenverstand im Zusammenhang mit Finanzthemen in den Vordergrund stellen und versuchen, dies so zu erklären, dass es jeder für sich einordnen kann.
Für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.
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